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Gasshuku 2023

22 Fäuste für eine Handvoll Donner.

Ein subjektiver Lagebericht von Olli Schwab.

vom Münsterland ins Schwabenland

Für viele ist der Sommer die schönste Zeit im Jahr – genauer die erste Augustwoche. Aber nicht nur wegen des warmen Wetters, sondern natürlich, weil immer genau dann das Gasshuku stattfindet. Somit trafen sich elf Kämpferinnen und Kämpfer des SKDM auf verschiedenen Fahrtwegen dieses Jahr im beschaulichen Tamm. Viel zu sehen und zu bieten hat das kleine Städtchen auf den ersten Blick vielleicht nicht, aber dafür organisiert der lokale Turnverein als Ausrichter wieder einmal fünf Tage exzellentes Karatetraining, Verpflegung, Spaß und Unterhaltung. Und die Stadt selbst wird entsprechend Bühne für die rund 1000 Karateka, die das Stadtbild nun prägen sollten.

Wir fanden uns auf dem Campingplatz ein und schlugen bei strahlendem Sonnenschein am Nachmittag unser Lager auf, selbstverständlich mit dem obligatorischen Bier. (Das erste Fass war noch vor Ankunft aller Kämpfer bereits geleert).

Nach geglücktem Aufbau machten wir uns dann nochmal kurz mit der Umgebung vertraut. Direkt in der Ortsmitte reihten sich die schwäbischen Fressbuden und Ausschankwägen neben großen, weit gespannten Schirmen, die die gemütliche Atmosphäre eines Festzeltes brachten. Die Gelegenheit nutzen wir für einen Happen oder Getränk mit vielen bekannten Gesichtern, die man gefühlt immer wieder trifft. Die Erkundungstour zu den Hallen sparten wir uns, dann ließen wir den Abend gemütlich am Camp ausklingen.

An den folgenden Tagen galt es für das Training immer sehr früh aus den Federn zu kommen. Für manche der Gruppe begann die erste Einheit auch schon um 7 Uhr. D.h. entsprechend früh musste der Marsch oder die kurze Autofahrt zu den jeweiligen Trainingshallen bestritten werden.

Wie gewohnt wurden auch dieses Jahr vom Ausrichter insgesamt drei Hallen für die unterschiedlichen Graduierungsstufen bzw. Einheiten zur Verfügung gestellt.

Tag eins: Möge das Training beginnen

Für Thomas und mich stand die erste Einheit mit Giovanni Torzi auf dem Plan: Kanku Sho.

Der Ochi-Schüler der ersten Stunde wusste mit seiner Gelenkigkeit zu beeindrucken. Er veranschaulichte die Kata mit einprägsamen, bildlichen Vergleichen: Reflex des Wegziehens von einer Herdplatte – ein Ball, der in den Sand fällt und liegen bleibt – mit einer Scherbewegung im tiefen Kokutsu-Dachi den Schwerpunkt unten behalten.

Durch seine Beweglichkeit wurden die Techniken und Stände noch deutlicher veranschaulicht: Gleiten, Schwerpunkt verlagern und am Ende kurz anspannen. Ein toller erster Vorgeschmack für die kommende Einheit beim Maestro Grande und auch für das Gasshuku 2023.

Nach einer Kaffeepause und dem Karateplausch mit anderen Dojos ging es gleich mit hoher Starbesetzung weiter: Tatsuya Naka Sensei war mal wieder zu Gast und gab in seiner Einheit einen Einblick in das Wesen des Budo. Anhand von ein paar Stand- und Partnerübungen wurde erklärt, wie innere Energie, (sog. Ki) entsteht, wenn der Körper ganzheitlich eingesetzt wird, insbesondere die Bedeutung der Stabilität im Standbein, sowie das Ausnutzen von Gravitations- oder Zentrifugalenergie beim Beschleunigen. Eine Sequenz aus der Kata Jion wurde herangezogen, um dieses Ki-Prinzip dort anzuwenden. Ebenso darauf aufbauend eine abgewandelte Form der Taikyoku Shodan mit Beintechniken.

Eine sehr interessante Einheit, um die Körperschule des Budo zu verstehen, die sich vielleicht im Kern zum westlichen Kämpfen bzw. Sport dahingehend unterscheidet, dass Muskelkraft keine, und wenn dann nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt.

Nach der Mittagspause gab es bei Julian Chees gleich eine Portion Go-hon Kumite, jedoch mit einem speziellen Rhythmus, chromatisch ablaufend (d.h. 5x Jodan, 4x Chudan, 3x Jodan usw). Was einfach schien, war wie gewohnt dann doch nicht ganz so einfach. Wie immer, wenn zunächst festgefahrene Muster durchbrochen werden müssen. Dies zeigt sich immer dann, man gefühlt wieder von vorne anfangen muss, und dies bei grundlegendsten Kihon-Übungen. Eine entlarvende Wahrheit. Dort beginnt Karate.

Der Trainingsteil des Tages war nun geschafft und ehe es zum Campingplatz zurückging, musste natürlich ein Stopp am Bierstand eingelegt werden.

Abends ging es dann zusammen in Halle 1 zum Ländervergleichskampf, d.h. Kräftemessen zwischen den fünf Stützpunkten des DJKB. Es gab spannende Begegnungen und großartige Leistungen aus allen Disziplinen! Dies wussten insbesondere auch die Japaner zu schätzen, die (zwar sparsam, aber immerhin vereinzelt) sogar auch mal Beifall klatschten z.B. für eine schöne Kata oder eine Ippon-Technik. Allgemein war es eine sehr lebendige Veranstaltung, in der das JKA-Karate einmal in voller Bandbreite und Energie geboten wurde. Auch die Einleitung durch den lokalen Fanfarenzug hat die Veranstaltung für den Moment veredelt.

Später machten wir uns gleich an unsere Kochkünste auf dem Campingplatz. Es gab improvisierte Eier-Gemüse-Wraps und natürlich das ein oder andere Gläschen Wein. Zudem wurden wir Zeugen von einem mysteriösen Spektakel: ein stark leuchtender senkrechter Laser-Lichtstrahl erschien und durchstieß die Wolken. Wenn man daran glaubte, sah man ein Ufo im Himmel, das schwebende Kühe nach oben brachte – vermutlich war das aber eher die Strahlkraft des Weins. Der Rest der Truppe kehrte bei einem lokalen Italiener ein, und entsprechend spät wieder zurück. (der Wein war dort wohl auch gut!)

Tag zwei: 50/50 gibt es nicht

Der Tag begann mit Julian Chees und der Kata Chinte. Eine schöne Kata, insbesondere um den Kreislauf und den Brummschädel in Schwung zu bringen. Chees hatte wie oft den Fokus auf der Dynamik einzelner Techniken und Übergänge, um die Kata auf natürliche Art fließen zu lassen. Weiter folgte noch eine Kiri-Kaeshi-Anwendung mit Griff und Kontertechnik. Jetzt waren wir definitiv wach.

Nach der Pause folgte eine Kumite-Einheit bei Pascal Senn. Wie auch schon beim Kata-Spezial ist die Einheit bei Pascal kognitiv und vor allem konditionell sehr fordernd. Eine simple Kihon Übung aus zwei Jodan-Angriffen und Block/Kontern wurde aufgebaut und erst mit einem, dann als Happo- Anwendung mit mehreren Partnern gesteigert. Es ging dabei um blitzschnelle Reaktion beim Erfassen der Auslage, d.h. der Beinstellung des Partners, um dann den entsprechenden Angriff mit der dafür vorgesehenen Technik zu kontern. Insbesondere der Block mit Gyaku-Haiwan-Uke und Konter Kizami war etwas ungewohnt, festigte sich aber mit jeder Wiederholung mehr. Zum Glück hatten wir auch gute und fordernde Trainingspartner beim Happo-Kumite – so macht es am meisten Spaß.

Die Dritte Einheit für heute belegte unser Stützpunkttrainer Andreas Klein. Der Schwerpunkt in seiner Einheit lag hier im Kräftefluss und Einsatz des gesamten Körpers in die Technik, und dabei bewusst ein Verlassen der gewöhnlichen Kihon-Ausführung. Konkret: beim Shoko-Zuki im Stand bewusst die jeweilige Hüftseite nach vorne (Hamni) bringen, (sozusagen fast Kizami-Zuki) und dadurch eine 50-50 Gewichtsverteilung zu durchbrechen. Es soll dadurch verhindert werden, dass durch die Hiki-Te-Bewegung eine unnötige Teilung der Energie und dadurch Schwächung der Schlagtechnik entsteht.

Anhand einer Kombination aus Zukis im Stand und Standwechseln, Drehung, wurde dieses Prinzip verinnerlicht. Ein sehr spannender Fokus, grade im Hinblick auf die Bedeutung und Verflechtung von einer natürlichen Kumite-Dynamik ins Kihon oder die Kata.

Der Rest vom Nachmittag wurde gemütlich im Camp oder in der Ortsmitte verbracht.

Auf der längeren Suche nach einer adäquaten Einkehr für das Abendessen mit schwäbischer Küche, verschlug es uns dann doch wieder zu einem Italiener, da ein Großteil der Tammer Restaurants dienstags wohl geschlossen sind.

Gestärkt ließen wir den Abend am Camp ausklingen. Kaum zu glauben, dass morgen schon Halbzeit ist.

Tag drei: Muster sind da, um durchbrochen zu werden.

Gleich am Morgen begrüßte uns wieder Pascal Senn, dieses Mal mit der Kata Gangaku. Aufgrund der verkürzten Trainingszeit (durch einen etwas verzögerten Zeitplan) ließ er – wie er mitteilte – ein bis zwei Übungen aus und startete gleich in die Kata mit dem charakteristischen Thema Manji-Uke im Tsuru-Ashi-Dachi als Kihon-Trockenübung. Diese und noch eine weitere Kihon-Sequenz bildeten den Umfang, um die wesentlichen Schwerpunkte der Kata herauszuarbeiten. Anschließend noch 2 Anwendungen rundeten die Einheit ab und brachten den Kreislauf nochmals richtig in Schwung.

Da heute der Dritte Tag war, also Halbzeit, standen auch nur insgesamt zwei Einheiten auf dem Plan. Thomas Schulze arbeitete sich mit uns an einer Kumite-Übung ab, bestehend aus 3 verschiedenen Jodan-Angriffen (Kizami-, Gyaku- und Oi-Zuki) sowie den entsprechenden Abwehr- oder Gegenangriffen (im Unterschied zum Konter!). Hier offenbarten sich zunächst wieder die alten Angewohnheiten (z.B. Verfall in einen bequemen Rhythmus), ehe diese bewusst durchbrochen wurden, nach gebetsmühlenartiger Manifestation des Credos: Der Angreifer gibt das Kommando durch die erste Bewegung, und der Verteidiger bleibt aufmerksam und so lang wie möglich regungslos.

Ein Teil unserer Gruppe wagten an diesem Nachmittag einen Trip in die benachbarte Landeshauptstadt Stuttgart, um sich vom Schweiß und Training einem gepflegten Kunst- und Kulturprogramm zu widmen. Die Ausstellung im Kunstmuseum bildete eine angemessene Abwechslung, auch wenn wir uns immer wieder mit gestellten Fotomotiven (inszenierte zerschmetterte Glasscheiben etc.), mit der dort gezeigten Kunst auseinandersetzten. So ganz kann man sich ja vom Training im Kopf nicht trennen (bzw. ist das überhaupt möglich?)

Gleichermaßen nutzen wir die Gelegenheit, einmal im Waschsalon unsere Arbeitskleidung zu reinigen. Das hat sich gelohnt!

Nach dem Trip kehrten wir dann auch endlich mit der gesamten Gruppe in ein traditionelles schwäbisches Wirtshaus ein. Sehr lecker! Und Viktor schoss den Vogel ab mit einem Sonder-Flatrate-Angebot. Er schaffte 4 Teller mit je 2 Schnitzel und Pommes!

Tag vier: von der Schildkröte lernen

am Vorletzten Morgen hieß uns nochmals Thomas Schulze willkommen, heute mit der Kata Gojushio-Sho. Er arbeitete mit uns stark an der Form und an den wesentlichen Aspekten, die diese lange Kata auszeichnen. Z.B. spielt sich die Kata durchweg auf einem gleichbleibenden Höhenniveau ab, das es ab der einleitenden Uraken-Technik zu halten gilt. Und dies natürlich (oder grade) bei den langsamen Schrittwechseln. Wichtig ist es dabei auch immer die Atmung zu nutzen, insbesondere bei den Sanbon-Techniken (in einem Atemzug). Die Kata soll als großes Ganzes ohne überflüssige Bewegungen und Atemzüge verstanden sein. Und genau hierin liegt die Schwierigkeit: Eine durchgängige, aufeinander abgestimmte Einzelperformance anstelle nur aneinandergereihter Einzeltechniken. Das gilt natürlich grundsätzlich für jede Kata, jedoch spielt dies grade bei den längeren Katas eine noch wichtigere Rolle.

Weiter ging es nach der kleinen Frühstückspause nochmals mit Giovanni Torzi. In seiner zweiten Einheit wurde eine komplexe Partner-Kombination Schritt für Schritt aufgebaut. Es ging jeweils um die Angriffs-Prinzipien und Unterschiede zwischen Go-no-Sen, also Gegenangriff nach Angriff, Sen-no-Sen, dem Gegenangriff im Moment des Angriffs (hier als Deai) sowie Sen-Sen-no-sen, also dem Gegenangriff vor dem Moment, d.h. dem Erahnen des Angriffs. Insgesamt wurden nacheinander 6 Angriffe mit verschiedenen Auslagen und Richtungen, und darauf die entsprechenden Gegenangriffe ausgeführt. Eine kognitiv extrem fordernde Übung, bei welcher insbesondere die Reaktionszeit mal wieder die tragende Rolle spielte.

Nun hieß es aber erstmal Daumendrücken für Mohammed, der grade seine Prüfung zum 1.Dan absolvierte und – wie sich später herausstellen sollte – natürlich auch mit Bravour bestanden hat!

In der dritten Einheit bei Yuko Hirayama, ging es, ähnlich wie bei Naka-Sensei auch hier um ein Grundverständnis darüber, Kraft bzw. Energie aus Bewegung zu generieren. Hier die Verschiebung des axialen Schwerpunkts, z.B. beim Schrittwechsel oder beim Verlagern des Körpergewichts. Beim Drehen mit “Schneid”-Bewegung um die Mittelachse, bei welchem der Schwerpunkt in der Mitte bleibt.

Peitsch Bewegungen durch Hervorschleudern der Technik. Sie verglich dieses Prinzip tatsächlich mit der “Kamehameha”-Technik aus Dragonball, also dem “Nachvornewerfen” der Energie. Hier musste Übersetzer Schlatt auch zugeben, Dragonball noch nie gesehen zu haben, und daher nicht wisse, was dies ist. Nur, dass “Kame” Schildkröte heißt. Tja: Die Insider wissen natürlich von Son Goku und seinem Meister, dem Herrn der Schildkröten, welcher permanent einen schweren Schildkrötenpanzer auf dem Rücken trägt, um sich ständig dem Training ausgesetzt zu sein.

Das Wichtigste, bei diesen Kihon-Prinzipien von Hirayama war das Verständnis, dabei nicht mit Muskelkraft zu arbeiten und dies auch entsprechend auf die Kata zu übertragen. Hirayama veranschaulichte dies an einigen Beispielen aus den bisher behandelten Katas. Mal wieder eine sehr intensive Einheit zum Erlernen und vor allem Wiederholen sehr guter praktischer Grundübungen für das Kime.

Die obligatorischen Fotos mit dem japanischen Karatesternchen durften nicht fehlen. Daher hieß es danach erstmal taktisch Schlange stehen bis man zum Zug kommt – oder anders: charmantes Vordrängeln und immer dabei lächeln. Dies Hatte jedenfalls funktioniert.

Was auch funktionierte, war ein angemessenes Abendprogramm zu finden, bei dem jeder auf seine Kosten kam. Mohammed und Viktor machten einen kleinen Spaziergang zum nächstgelegenen Aussichtspunkt (nach einer erfolgreich absolvierten Dan-Prüfung schwebt man ja schließlich auf Wolke 7) und ein anderer Teil der Gruppe fuhr zu einem chinesischen Restaurant mit All-you-can-eat-buffet. Anschließend trafen wir uns nochmals zum gemeinsamen Ausklang am Camp, das nun mittlerweile ohne Pavillon auskommen musste, da dieser tagsüber dem Sturm leider nicht standhielt. All zu spät wurde es nicht und wir landeten bald in den Federn.

Tag fünf: von Liegestützen bis Limbo

Der letzte bescherte uns nochmal Nervenkitzel und abwechslungsreiches Training.

Wir marschierten somit in die Trainingshalle zu einer weiteren Einheit bei Andi Klein und der Kata Nijushiho. Ähnlich wie in seinem ersten Training am Dienstag war die Schwerpunktverlagerung und Gewichtsverschiebung das Hauptthema, auf welches die Kata etwas angepasst wurde. Das Gewicht sollte grundsätzlich immer auf der schlagenden Seite liegen und die Hüfte wie gewohnt nach vorne bringen. Die Ausholbewegungen sollten heute locker mit Haishu anstelle Shuto ausgeführt werden. Ziel sollte es sein, die Kata als Kampf zu denken und die Anwendung zu “spüren”, was auf diese Weise spürbar vermittelt werden konnte.

In der folgenden Trainingseinheit heizte Toribio Osterkamp nochmal kräftig ein, ähnlich wie bei Julian Chees mit einer abgewandelten Form des Gohon-Kumite, die Schritt für Schritt aufgebaut wurde. Mit jeweils 3 verschiedenen Angriffstechniken, einem Richtungswechsel und freier Kontertechnik forderte uns diese Übung auch nochmal geistig, insbesondere da Toribio wie gewohnt dabei auch Sauberkeit in den Techniken bei blitzschneller Reaktion voraussetzte, und dies entsprechend einforderte. Zudem wurden seine Kommandos immer schneller, und die Übung wurde entsprechend konditionell gesteigert. Eine sehr interessante, wenn man so will, “klassische” Übung, um auf vielen verschiedenen Ebenen des Karate intensiv gefordert zu werden.

Das Abschlusstraining gab nochmals Naka Sensei, der sich zwar etwas verspätete, jedoch nochmals eine brillante Einheit zum Besten gab und damit einen sehr schönen und würdigen Abschluss des Gasshukus 2023 bildete.

Inhaltlich griff er nochmals die Schwerpunkte seiner vorigen Einheit vom Montag auf und ließ uns anschließend diese Prinzipien zunächst an einer Kihon Sequenz, dann am Partner und schließlich anhand der Kata Sochin verinnerlichen. Dabei ging es erneut intensiv um das bewusste Anwenden und Aufnehmen von “Ki”, der sogenannten inneren Kraft bzw. Energie. Beispielsweise stützte sich ein Partner aus der Liegestützposition auf die Unterarme des anderen, in kniender Position. Selbiger sollte zunächst mit Muskelkraft und anschließend mit der inneren Energie den Partner nach oben drücken. Dreimal dürft ihr raten, was besser funktionierte. Ich persönlich verhalf mir dabei intuitiv noch mit einem intensiven Kiai, was den Kraftfluss noch deutlich verstärkte. Sehr spannend, zu was man in der Lage ist, wenn man das innere körperliche und geistige Zentrum auf diese Weise “aktiviert” – eine schöne kleine Offenbarung zum Schluss.

Anschließend standen wir nochmal taktisch Schlange für das Star Foto mit Autogramm und dann verließen wir die Halle.

Nun hieß es Daumendrücken für unsere 5 Prüflinge, denn heute Nachmittag standen Gürtelprüfungen an: Petra, Rosa, Lena und Viktor zum 5.Kyu und Yun zum 8.Kyu. Mohammed ist wie erwähnt bereits einen Tag zuvor angetreten und wartete nun noch auf das Ergebnis.

Um’s kurz zu machen: Die Prüfungen liefen sehr gut und alle durften auch sehr zufrieden sein nach dieser Woche intensivem Training!

Wir warteten nun gemeinsam auf die Bekanntgabe der Dan-Ergebnisse und der obligatorischen Übergabe der Urkunden. Um es nicht zu stark in die Länge zu ziehen, appellierte Thomas Schulze nochmals an unseren Pragmatismus und bat darum, nicht zu applaudieren, sondern mit einem schlichten “Oss!” zu gratulieren. Doch Mohammed kurz abzufeiern, ließen wir uns natürlich nicht nehmen! Gratulation!

Und endlich geschafft! Offiziell hatten nun alle die Urkunde in den Händen, daher durfte ein kleiner Umtrunk nicht fehlen. Obwohl es kurz vorher zu regnen begann, minderte dies die Stimmung keineswegs! Thomas und ich hatten ja schließlich ein bisschen kühlen Sekt im Gepäck. Das ist schließlich das mindeste, was man an Beistand leisten kann!

Wir überbrückten die Zeit bis zur Abschlussparty beim Kebab-Imbiss und machten uns anschließend am Camp noch etwas schick, ehe es dann wieder Richtung Rathausplatz ging, dieses Mal ganz ohne Sporttasche und Karate-Gi im Gepäck (ungewöhnlich).

Es dauerte ein wenig, bis die Party in Schwung kam, aber nach 1-2 Stunden und den ersten Gläsern Wein oder Bier nahm die Stimmung auch langsam Fahrt auf. Der DJ machte einen guten Job mit einem soliden gewählten bunten und tanzbaren Mix durch alle Genres und Jahrzehnte. Und auch der sportliche Teil darf hier nicht unerwähnt bleiben: Zwischendrin gab es immer wieder Extraeinheiten Limbo, Breakdance und Polonaisen durch die Halle, zu welchen sich alle gerne mitreißen ließen. Bei guter Stimmung vergisst man die Zeit, wie gewohnt, daher wurde es an diesem Abend mal wieder etwas länger.

Irgendwann torkelten Yun und ich zum Camp zurück und vielen direkt ins Zelt, Lena und Viktor blieben noch.

Tag 6-8: Eine Extraportion Bergluft

Am nächsten Tag hieß es wieder Aufbruch ins Münsterland, zumindest für einen Teil der Truppe. Für den anderen Teil (Thomas, Oli Lich, Lena, Viktor, Yun und mich) hieß es Aufbruch nach Frankreich in die Vogesen!

Noch beflügelt und etwas ausgelaugt vom Gasshuku hatten wir uns noch eine mehrtägige Wanderung durch die Natur vorgenommen.

Thomas hat hier wieder eine spitze Vorarbeit geleistet beim Planen der Tour und vor allem der Buchung von adäquaten Unterkünften!

Wir verbrachten noch 3 schöne Tage in Wandermontur und legten jeden Tag ca. 20km und insg. 1000 Höhenmeter zurück.

Als eine schöne Abwechslung zur stickigen Trainingsluft, wanderten wir vorbei an Obstbäumen, Wäldern, Wiesen, Kühen und tollen Natur-Spots. Leider brauchte man zwar oft ein wenig Fantasie, da Regen und Nebel ein Rundum-Panorama nur selten zuließen, jedoch nutzen wir immerhin die Gelegenheit für ein paar Yoko-Geris in der Luft oder Tsukis unterm Wasserfall. Das sind schließlich die besten Fotomotive. Nach dem Training ist vor dem Training.

Nach einer guten Einkehr, einer geruhsamen Nacht und der letzten Tagestour zurück zum Startpunkt, machten wir uns dann schließlich auch auf den Rückweg gen Westfalen.

Ein sehr schönes Erlebnis nach einer großartigen Woche Schweiß und Training! Nächstes Jahr gerne wieder!

Oss!

Für alle die jetzt Lust bekommen haben, auch mal an einem Gasshuku teilzunehmen: